Die Wirtstiere
Der Holzbock saugt an über 100 verschiedenen Arten von Säugetieren, Reptilien und Vögeln.
Für Arbo-Viren generell wie auch für das FSME-Virus gilt die Lehrmeinung, dass das Virus im Wirtstier eine Virämie mit genügend hohem Virustiter induzieren muss, damit sich der blutsaugende Vektor, die Zecke, infizieren kann.
Für die meisten Wirte ist das FSME-Virus apathogen, sie erkranken nur ausnahmsweise.
Ein infizierter Wirt bildet spezifische Antikörper gegen das FSME-Virus und ist dann zeitlebens immun gegen eine erneute Infektion.
Da unter diesen Gesichtspunkten ein Kreislauf des FSME-Virus in der Natur bald zum Erliegen käme, müssen für die Persistenz eines Naturherdes folgende Bedingungen gegeben sein:
- das Vorkommen von Wirtstieren mit genügend langer Virämiedauer und hohem Virustiter
- eine ausreichende Zahl infizierbarer Jungtiere
- ein Angebot unterschiedlicher Formen von Wirtstieren
- die Existenz größerer Wirtstiere mit mehrfachem Zeckenbefall
Virämiedauer
Eine lang dauernde virämische Phase (2-8 Tage) mit hohem Virustiter wird am ehesten bei Kleinsäugern wie der Gelbhalsmaus, der Rötelmaus, der Feldmaus, der Haselmaus etc. beobachtet. An ihnen können sich die Zecken daher am leichtesten infizieren. Das FSME-Virus kann in diesen Wirten überwintern, wobei die Dauer der Virämie von der Körper- und der Umgebungstemperatur stark abhängt. In der kälteren Jahreszeit ist sie z.B. beim Stachelschwein von 3 bis 6 Tagen auf 8 bis 14 Tage verlängert.
Bei großen Säugetieren (Reh, Ziege) tritt nur eine kurzdauernde Virämie mit niedrigen Virustitern auf. Neuere Untersuchungen deuten jedoch darauf hin, dass bei Mehrfachbefall größerer Säugetiere auch eine nicht-virämische Übertragung des Virus auf die Zecken eine Rolle im Viruszyklus spielen kann.
Ziege, Kuh und Schaf scheiden während der Virämie virushaltige Milch aus und können so zuweilen auch eine Infektionsquelle für den Menschen darstellen.
Vögel haben nur eine sehr kurze virämische Phase und spielen als Reservoir für das FSMEV keine Rolle. Sie dienen jedoch relativ häufig als Wirte für die Jungstadien von Ixodes ricinus und können somit zu einer weiten Verbreitung infizierter Zecken beitragen.
Jungtiere
Kleinsäuger weisen eine hohe Reproduktionsrate mit einem raschen Generationswechsel auf, sodass sie einen ständigen Zuwachs von jungen nichtimmunen Individuen garantieren. Darüber hinaus haben diese Wirte oft auch eine kürzere Lebensdauer als Ixodes ricinus.
Unterschiedliche Formen von Wirtstieren
Im Durchschnitt werden die Gelbhals- bzw. Rötelmäuse im Frühjahr von 20 bis 50 Larven befallen, wobei die männlichen Mäuse aufgrund ihres größeren Aktionsraums stärker betroffen sind.
Die Jungstadien von Ixodes ricinus, insbesondere die Larven, befallen bevorzugt Kleinsäuger, während der Hauptteil der Nymphen und adulten Tiere an großen Säugetieren parasitiert.
Grössere Wirtstiere
Größere Tiere werden meist von vielen Zecken gleichzeitig befallen. Daher ist die Zahl der während der virämischen oder auch nicht-virämischen Phase (siehe oben) sich infizierenden Zecken relativ hoch.
Durch ihren großen Aktionsradius tragen sie zu einer weiteren Verbreitung des FSME-Virus bei. Zumindest jedoch sind sie wichtige Faktoren für den Reproduktionszyklus und die Populationsdichte der Zecken selbst.
Der Mensch spielt weder als Nahrungs- noch als Infektionsquelle für Zecken eine wesentliche Rolle. Bei ihm endet die Infektionskette.

